Ekelmanagement. Professioneller Umgang mit Ekel in der Kita

  • Dorothee Gutknecht

Absztrakt

In der Früh- und Elementarpädagogik haben die Pflegeaufgaben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Die wachsende Betreuung von Kindern unter drei Jahren, die Ganztagsbetreuung aber auch der Anspruch Inklusion sind hier wesentliche Ursachen. In der Betreuung von jungen Kindern, aber auch von Kindern mit Erkrankungen, Behinderungen oder Einschränkungen ist ein höherer pflegerischer Assistenzbedarf die Regel. Die Kindertageseinrichtungen sind hierauf meist noch ungenügend eingestellt. Es fehlt oft schon am Equipment: So gibt es zum Beispiel in der Regel weder Stehwickeltische, die ein entwicklungsgerechtes Wickeln ermöglichen, noch eine angemessene ergonomische Ausstattung der Waschräume. Hydraulische Wickeltische, die sich an die Körpergröße der Pädagogin anpassen lassen, sind die große Ausnahme auch dann, wenn Kinder im Altersspektrum bis sechs Jahre pflegerisch versorgt werden müssen (Gutknecht et al., 2018).
Pädagogische Fachkräfte sind zudem in der Regel weder durch ihre Ausbildung noch durch passgenaue Weiterbildungen auf die vermehrten Pflegetätigkeiten vorbereitet. Jahrzehntelang konnten beispielsweise Kinder, die „noch nicht sauber waren“, mit eben dieser Begründung vom Kindergartenbesuch ausgeschlossen werden. Eine solche Praxis verträgt sich nicht mit dem heutigen Anspruch der Inklusion. Auch die Erzieher-Kind-Relation ist vielfach noch nicht darauf ausgelegt, dass ein hoher Pflegeaufwand durch den Assistenzbedarf mehrerer Kinder entstehen kann. Dies betrifft nicht nur die Wickel- oder Toilettensituationen, sondern auch die Assistenz in Lebensaktivitäten wie Essen, Schlafen, An- und Ausziehen. Eine professionelle Auseinandersetzung mit den so genannten Care-Aufgaben ist gerade im Kontext Inklusion zwingend erforderlich.

Referenciák

Cicero, F. R. & Pfadt, A. (2002). Investigation of a reinforcement-based toilet training procedure for children with autism. Research in Developmental Disabilities, 23(5), 319–331. https://doi.org/10.1016/S0891-4222(02)00136-1

Cocchiola, M. A. & Redpath, C. (2017). Special Populations: Toilet Training Children with Disabilities. In Matson, J. (Ed.), Clinical Guide to Toilet Training Children: Autism, Child Psychopathology Series. Springer International Publishing. https://doi.org/10.1007/978-3-319-62725-0_13

Cocchiola, M. A., Martino, G. M., Dwyer, L. J. & Demezzo, K. (2012). Toilet training children with autism and developmental delays: An effective program for school settings. Behavior Analysis in Practice, 5(2), 60–64. https://doi.org/10.1007/BF03391824

Cooper, J. O., Heron, T. E. & Heward, W. L. (2007). Applied behavior analysis (2nd ed.). Pearson Prentice Hall.

Ekman, P. (2010). Gefühle lesen: Wie Sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren. Spektrum. https://doi.org/10.1007/978-3-662-53239-3

Gutknecht, D. (2021). Die Pikler Säuglings- und Kleinkindpädagogik im Fokus des wissenschaftlichen Diskurses. In Schmidt, T., Sauerbrey, U. & Smidt, W: (Eds.), Frühpädagogische Handlungskonzepte – Eine kritische Bestandsaufnahme (pp. 129–148). Waxmann. S.

Gutknecht, D. (2020). Herausforderung Ekel in der Kita. Kindergarten Heute. Ausgabe, 11/12, 10–13.

Gutknecht, D. (2016). Einführung: Facetten der Inklusion. Themenheft Kleinstkinder in Krippe und Tagespflege: Vielfalt begrüßen. Inklusive Pädagogik für die Jüngsten. 8–10.

Gutknecht, D. (2015). Bildung in der Kinderkrippe. Wege zur Professionellen Responsivität. Kohlhammer.

Gutknecht, D. & Haug-Schnabel, G. (2019). Windel adé. Kinder in Krippe und Kita achtsam begleiten. Herder.

Gutknecht, D., Stehmeier, S. & Daldrop, K. (2018): Responsives Handling – Teil 1: Mehr als nur Windelwechseln. Kleinstkinder in Kita und Tagespflege. 6, 8-11.

Hadjittofi, M., Gleeson, K. & Arber, A. (2020). The Experience of Disgust by Healthcare Professionals: A literature review. International Journal of Nursing Studies, 110(16):103720. https://doi.org/10.1016/j.ijnurstu.2020.103720

Häusser, L. F. (2012). Empathie und Spiegelneurone. Ein Blick auf die gegenwärtige neuropsychologische Empathieforschung. Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie, 61(5), 322–335. https://doi.org/10.13109/prkk.2012.61.5.322

Holodynski, M. (2006). Emotionen – Entwicklung und Regulation. Springer.

Jettenberger, M. (2017). Ekel. Professioneller Umgang mit Ekelgefühlen in Gesundheitsfachberufen. Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-662-54155-5_4

Kállo, È. (2015). Auf dem Weg zur Sozialisation: In Frieden mit mir – in Frieden mit anderen, In Tardos, A. & Werner, A. (Eds.), Ich, Du und Wir. Frühes soziales Lernen in Familie und Krippe. 2. überarb. (pp. 85–101), Pikler-Gesellschaft.

Krey, H. (2015). Ekel ist okay: Ein Lern- und Lehrbuch zum Umgang mit Emotionen in Pflegeausbildung und Pflegealltag. 2. Aufl. Mabuse-Verlag. Kindle-Version.

Izard, C.E. (1999). Die Emotionen des Menschen: Eine Einführung in die Grundlagen der Emotionspsychologie. Beltz.

Mertens (2014). Handbuch psychoanalytischer Grundbegriffe. 4. Auflage, Kohlhammer. Kindle Ausgabe.

Özkan, I., Taylan, S., Adibelli, D. & Yilmaz, F.T. (2021). Investigation of the Relationship between Nursing Students’ Disgust Sensitivity and Caring Behaviours. Nurse Education in Practice, 54:103090. https://doi.org/10.1016/j.nepr.2021.103090

Pernlochner-Kügler, C. (2004). Körperscham und Ekel – wesentliche menschliche Gefühle. LIT Verlag.

Ringel, D. (2017). Ekel in der Pflege – eine ‚gewaltige‘ Emotion. 5. Aufl., Mabuse.

Rizzolatti, G. & Sinigaglia, C. (2008). Empathie und Spiegelneurone. Die biologische Basis des Mitgefühls. Suhrkamp.

Rohrmann, T. & Wanzeck-Sielert, C. (2018). Mädchen und Jungen in der Kita. Körper – Gender – Sexualität. Kohlhammer.

Singh, B., Masey, H. & Morton, R. (2006). Levels of continence in children with cerebral palsy. Pediatric Nursing, 18(4), 23–26. https://doi.org/10.7748/paed.18.4.23.s17

Waldenfels, B. (2007). Antwortregister. Suhrkamp.

Megjelent
2021-10-19
Hogyan kell idézni
Gutknecht, D. (2021). Ekelmanagement. Professioneller Umgang mit Ekel in der Kita. Gyermeknevelés Tudományos Folyóirat, 9(2), 26-38. https://doi.org/10.31074/gyntf.2021.2.26.38
Rovat
Tanulmányok