Die Grenzen Lettlands im historischen Kontext

Autor/innen

DOI:

https://doi.org/10.55051/JTSZ2025-2p37

Abstract

Die heutigen Grenzen des mittelbaltischen Staates liegen an vier Ländern, von denen die nördlichen und südlichen Grenzen mit EU- und NATO-Mitgliedstaaten im Schengen-Raum geteilt werden, während die südöstlichen und östlichen Grenzen Außengrenzen sind. Obwohl Lettland historisch gesehen ein junger Staat ist, wiesen seine südlichen und östlichen Grenzen über Jahrhunderte hinweg ein hohes Maß an Stabilität auf; sie fungierten als Außengrenzen des Deutschordensstaates, der die Region beherrschte. Diese Grenzen blieben unter der anderthalb- bis zweihundertjährigen russischen Herrschaft größtenteils intakt, hauptsächlich als interne Verwaltungsgrenzen. Dennoch machte Lettlands Unabhängigkeit 1918 eine Grenzziehung erforderlich. Diese gestaltete sich nicht einfach: Lettland befand sich mit einem seiner vier Nachbarn – Russland – im Krieg und stand mit zwei weiteren – Estland und Litauen – am Rande eines bewaffneten Konflikts. Auch die Ziehung der lettisch-polnischen Grenze, der kürzesten von allen, war aufgrund sich überschneidender Ansprüche nicht einfach. Letztlich bestand Letzteres am längsten, nämlich bis zum Ende der 1920er Jahre. Die in dieser Zeit gezogenen Grenzen erwiesen sich jedoch als stabil und wurden auch nach der Wiederherstellung der Unabhängigkeit 1991 von den beteiligten Parteien nicht angefochten – mit Ausnahme der Region Abrene, die 1944 an Russland angegliedert und bis in die 2000er Jahre von der lettischen politischen Elite und Bevölkerung zurückerobert wurde.

Autor/innen-Biografie

Krisztián Manzinger, Károli Gáspár Református Egyetem, Állam- és Jogtudományi Kar, Nemzetközi Jogi Tanszék

Manzinger Krisztián PhD, megbízott tanszékvezető, adjunktus

Downloads

Veröffentlicht

2026-02-20