Das Ende des Gulags und die Geburt der Kolonien
DOI:
https://doi.org/10.55051/JTSZ2025-4p47Abstract
In diesem Beitrag wird die Umwandlung des sowjetischen Strafvollzugssystems von der Abschaffung des stalinistischen Gulagsystems zum System der Strafarbeitskolonien untersucht, das in den 1960er Jahren eingeführt wurde. Ich analysiere die Triebkräfte des Wandels entlang dreier Hauptlinien: politisch, wirtschaftlich und rechtlich/technisch. Die politischen Veränderungen waren mit Chruschtschows Bemühungen verbunden, den stalinistischen Terror zu entstalinisieren und den Kommunismus menschlicher zu gestalten. Aus wirtschaftlicher Sicht rechtfertigten die geringe Produktivität und die hohen Unterhaltskosten der Gulags die Abschaffung des Systems. Gesetzliche Reformen, insbesondere die Änderung des Strafgesetzbuches von 1958, betonten die Rehabilitation der Gefangenen, die Entwicklung einer positiven Einstellung zur Arbeit und die Achtung der sozialistischen Normen. Das Koloniesystem, das an die Stelle der Gulags trat, war strukturierter, differenzierter und, zumindest rhetorisch, humaner. Der Beitrag legt besonderes Augenmerk auf die terminologische Präzision und weist darauf hin, dass die korrekte Benennung der Institutionen dieser Zeit für die historische und juristische Interpretation wesentlich ist.

