Vol. 2005 (2005): Communicationes Archaeologicae Hungariae
Studies

Avar kori nemzetségfő sírja Maglódon

Published 2005-12-31

How to Cite

Garam, Éva. (2005). Avar kori nemzetségfő sírja Maglódon. Communicationes Archaeologicae Hungariae, 2005, 407–436. https://doi.org/10.54640/CAH.2005.407

Abstract

Die Völkerwanderungszeitliche Sammlung des Ungarischen Nationalmuseums wurde 2004 um die Funde eines bedeutenden Grabes bereichert. In Maglód (Kom. Pest) stieß man in der Katona József utca (Abb. 1) beim Hausbau auf einen zum awarenzeitlichen Pseudoschnallenkreis gehörenden Grabfund. Die Fundstücke des Grabes (Abb. 2-10)\ Das goldene Ohrgehänge mit großer Kugel, die aus vergoldetem silber-kupferlegiertem Blech gepreßte Hauptriemenzunge aus dem Kreis der kugelreihengerahmten Gürtelzierden mit Glasplatteneinlage, die zweiteiligen Pseudoschnallen, die ovalen Beschläge in Wappenund Halbmondform, der Aufhängerbeschlag und die Gelenkschnalle mit gezähntem Flechtband bzw. das Schwert mit schmaler Klinge und Silberblechscheide, die auf einen Köcher hinweisenden eisernen Pfeilspitzen und die Bestandteile einer Hirtenausrüstung (mehrere Messer, Feuerstahl und Wetzstein) sind typische Fundstücke frühawarenzeitlicher einzelner Männergräber. Die Studie liefert einerseits im Zusammenhang mit dem Maglódéi' Grab Angaben zur Frage der Chro[1]nologie des awarenzeitlichen Pseudoschnallenkreises (aufgrund der Schnalle und des Schwertes des Grabes) und sucht andererseits nach der Stellung des im Grab Bestatteten in der gesellschaftlichen Pyramide der frühen Awarenzeit. Entsprechend der Spezifika der Gürtelzierden (Material, Herstellung, Befestigung, Verzierung) beschäftigt sich die Studie nur mit dem Kreis der kugelreihengerahmten Pseudoschnallen mit Steineinlage. Der detaillierten Gruppeneinteilung des Kreises der kugelreihengerahmten Pseudoschnallen (sog. Bócsaer Kreis) entsprechend ist der Gürtel des Maglóder Pseudoschnallengrabes (und durch ihn sein Träger) aufgrund von Schuppenmuster, Kerbschnitt, Zähnung und rechteckigen Steineinlagenzellen in den Kreis der Pseudoschnallengürtel von Perescepino, Tépe, zweier unbekannter ungarischer Fundorte und des weiteren von Bágyog-Gyűrhegy und Pápa-Úrdomb einzureihen (Abb. 14). Unter den Gegenständen des Maglóder Grabes ragt die Flechtbandschnalle hervor, die durch ihre Konstruktion und Verzierung, die Zoomorphisation des vierfachen Flechtbandmusters, als verwandt mit den Flechtbandschnallen im frühawarenzeitlichen Teil des großen awarischen Gräberfeldes von Zamárdi, als deren Nachahmung in einfacherer Ausgeführung und Linienfühmng zu betrachten ist (Abb. 11). Die Zeitgrenzen der Datierung des Maglóder Grabes geben das goldene Ohrgehänge mit großer Kugel (ein Typ aus dem 1. Drittel des 7. Jh.) und das Schwert an: ein einschneidiges Schwert in einer Scheide mit Dförmigen Aufhängeösen. Dieser Typ wurde nicht im 1. Drittel des 7. Jahrhunderts gefertigt, sondern etwa in seiner Mitte, und das bestimmt zugleich die früheste Bestattungszeit. Dieser Datierung widerspricht auch die detaillierte Analyse der Gürtelzierden und der Schnalle nicht, ja sie bestätigt die Datierung des Grabes/der Bestattung in die Mitte des 7. Jahrhunderts. Die gesellschaftliche Stellung, der Rang des Bestatteten wird durch die Bestattungsweise und die Funde gemeinsam bestimmt. Gemäß den vorliegenden Angaben war es eine Einzelbestattung, und die beigegebenen Gürtelzierden sind unter den als Nachahmungen der massivgoldenen Pseudoschnallen gepreßten Gürtelzierden von der Konstruktion und der Materialzusammensetzung her von bester Qualität. Der mit Pseudoschnallengürtel, Waffen und ohne Pferd bestattete Mann paßt sich in die vor allem für das Gebiet zwischen Donau und Theiß typische gesellschaftliche Hierarchie ein, die von mit Pseudoschnallen bestatteten Männern gebildet wird. Aufgrund der vergleichenden Untersuchungen (s. Abb. 12-14) ist die Zugehörigkeit des Grabes, also des bestatteten Mannes, nicht im Kunbábony-Bócsa-Kreis, sondern im Kaganen/Fürstenkreis von Tépe zu suchen; sein Rang konnte der eines Sippenhäuptlings gewesen sein. Der Maglóder Sippenhäuptling kann das Haupt einer zahlenmäßig nicht sehr großen Bevölkemng/Sippe gewesen sein, die am Nordrand des Gebietes zwischen Donau und Theiß entlang vom Rákosund Tápió-Bach am Fuß der Gödöllőer Hügellandschaft in der Mitte des 7. Jahrhunderts zum Schutz des Moorgebietes von Ecser angesiedelt wurde.